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DeutschArmenien gliedert sich in elf Provinzen
1.Aragazotn Hauptstadt Aschtarak
2.Ararat Hauptstadt Artaschat
3.Armawir Hauptstadt Armawir
4.Gegharkunik Hauptstadt Gawar
5.Kotajk Hauptstadt Hrasdan
6.Lori Hauptstadt Wanadsor
7.Schirak Hauptstadt Gjumri
8.Sjunik Hauptstadt Kapan
9.Tawusch Hauptstadt Idschewan
10.Wajoz Dsor Hauptstadt Jeghegnadsor
11.Eriwan (seit Referendum im Jahr 2005: Status einer Stadtgemeinde) Geografische Lage und Struktur
Armenien liegt am Übergang zwischen Kleinasien und (dem aus europäischer Sicht so benannten) Transkaukasien, zwischen 38° 51und 41° 16' nördlicher geografische Breite sowie 43° 29' und 46° 37' östlicher geografische Länge. Der heutige Kleinstaat umfasst ein Gebiet von 29.800 km² im Nordosten des Armenischen Hochlands und am Südrand des Kleinen Kaukasus.
Die Landesfläche Armeniens ist etwa so groß wie die des Bundeslandes Brandenburg. Es grenzt im Norden an Georgien, im Osten an Aserbaidschan, im Südosten an den Iran, im Süden an die aserbeidschanische Exklave Nachitschewan und von Südwesten bis Westen an die Türkei. Die heutige Bevölkerungszahl beträgt etwa 3 Millionen.
Armenien ist ein sehr ausgeprägtes Gebirgsland – denn 90% der Landesfläche liegen mehr als 1.000 m über dem Meeresspiegel, die mittlere Höhe beträgt sogar 1.800 m. Von Norden her erstrecken sich die über 3.000 m hohen Ausläufer des Kleinen Kaukasus. Die höchste Erhebung ist der erloschene Vulkan Aragaz (4.090 m) (unweit des biblischen Ararat), der tiefste Punkt liegt rund 380 m hoch am Ufer des Aras an der Grenze zur Türkei. Das Gebiet liegt in einem Faltengebirge – es entstand und verändert sich nach wie vor durch den Zusammenstoß der Eurasischen Platte mit der Arabischen Platte – und ist dementsprechend stark erdbebengefährdet (siehe auch Störungslinie). Das Gestein ist oft vulkanischen Ursprungs. Unter den nachgewiesenen Bodenschätzen sind verschiedene Kupferoxide am wichtigsten, die als Nebenprodukt Molybdän, Eisen und Gold enthalten, außerdem Uran, verschiedene Halbmetalle, Schmucksteine und Gesteinsarten wie Tuff, Basalt, Marmor u. a. Hinzu kommen Mineralwasserquellen, deren Wasser für Heilzwecke und im Alltagsgebrauch Verwendung findet.
Der größte See Armeniens ist der östlich von Eriwan ca. 1.900 m hoch gelegene Sewansee mit einer Fläche von derzeit ca. 940 km². Durch Wasserentnahme ist seine Fläche stark zurückgegangen (1984: 1.262 km²). Die längsten Flüsse Armeniens sind Aras, Worotan, Kasach, Hrasdan und Debed.
Klima
Das Territorium der Republik Armenien liegt zwar in den Subtropen; durch die beträchtlichen Höhenunterschiede – der Aragaz (4.090 m) und der tiefste Punkt am Aras (rund 380 m) liegen z. B. nur rund 80 km voneinander entfernt – und die kleinteilige Landschaft ergeben sich jedoch unterschiedliche lokale Klimata. Einerseits wirken die nahen Meere ausgleichend, andererseits begünstigen die Hochgebirge der Umgebung extreme Schwankungen. Die hohen Gipfel des Kaukasus wirken starken Kälteeinbrüchen von Norden her entgegen. In den Tälern und Niederungen ist das Klima kontinental, wobei die Mittagstemperaturen im Sommer meistens über 30 °C liegen, in den Bergen insgesamt etwas kühler und an der Grenze zum Iran subtropisch und sehr trocken.
Pflanzen- und Tierarten
Das Gebiet der Republik Armenien ist artenreich; es gibt eine Vielzahl endemischer Arten. In der Arasniederung finden sich Salzpflanzen. Bis zu einer Höhe von 1400 Metern sind Artemisia weit verbreitet. Im gebirgigen Gelände wachsen viele dornige Sträucher und andere stachelige Pflanzen, wie etwa Disteln. Im Hochgebirge treten vermehrt xerophile Pflanzen auf. Um 1900 waren rund 25 Prozent der Fläche von Bäumen oder Sträuchern bedeckt, 1964 rund 15 Prozent, 2005 nur noch 8–10 Prozent.
In Sangesur im Süden des Landes liegt die Baumgrenze bei 2400 Metern. In noch höheren Lagen ähnelt die Pflanzenwelt derjenigen der Alpen.
Der lateinische Name der Aprikose, (Prunus armeniaca), lautet übersetzt „armenische Pflaume“. Die Aprikose gehört zu den Symbolen Armeniens, daher auch die Farbe des untersten Streifens der Flagge Armeniens.
Es gibt viele Reptilien, darunter die Armenische Felseidechse und Giftschlangen wie etwa Vipern; unter den Spinnentieren auch Skorpione. In feuchten Niederungen leben Wildschweine, Schakale, Rehe, Nerze, Möwen und Adler; in den Steppen im Gebirge vor allem Nagetiere; in den Wäldern auch Syrische Braunbären, Wildkatzen und Wölfe. Im Naturschutzgebiet Chosrow leben noch Luchse und einige Kaukasische Leoparden.
Die Wirbellosen sind in Armenien nur schlecht untersucht. So sind z. B. von den sehr artenreichen Webspinnen bisher nur ca. 150 Arten nachgewiesen worden.
Kultur:
Religionen
Die dominierende Konfession im Land ist das orientalisch-orthodoxe Christentum, das in Armenien die Armenische Apostolische Kirche repräsentiert; ihr gehören etwa 94% der Bevölkerung an. Sie spielt eine zentrale Rolle für die armenische Identität. Das Christentum ist tief verwurzelt, die Armenier sind sehr stolz darauf, dass Armenien im Jahre 301 als erstes Land der Welt das Christentum zur Staatsreligion erhob.
Es gibt eine katholische Minderheit, die Anhänger der Armenisch-Katholischen Kirche sind. Seit dem 18. Jahrhundert leben auch einige Tausend Molokanen (eine Abspaltung von der russisch-orthodoxen Kirche) in eigenen Dörfern, nachdem sie ihr angestammtes Siedlungsgebiet an der Wolga verlassen mussten. Zu den bedeutenden Minderheiten gehören ferner die Zeugen Jehovas (0,5%). Die meisten Kurden Armeniens sind Jesiden.
Bedeutung der Familie
Die Familie steht im Zentrum des Lebens. Die Familienbande sind bei Armeniern im Vergleich zu Westeuropa extrem stark. Die Familien sind trotz der zur Zeit der Sowjetunion verordneten Emanzipation patriarchalisch strukturiert. Kindererziehung gilt als Frauensache. Eine Ausnahmestellung hat dabei die Familienälteste (üblicherweise die Frau oder Witwe des Familienoberhauptes) inne: Sie wird hoch geachtet und übt auf diskrete Art und Weise oft größeren Einfluss aus als das nominelle Familienoberhaupt. Überhaupt werden traditionell die Alten sehr geachtet (z.B. wird ein junger Anwalt einem alten Straßenfeger üblicherweise sehr respektvoll begegnen). Nachkommen ordnen sich auch als Erwachsene sehr stark ihren Eltern unter.
Museen
Eriwan beherbergt die zentralen Museen des Landes. Am bekanntesten ist wohl die nationale Kunstgalerie mit mehr als 16.000 Werken. Die Bestände der Sammlung gehen bis ins Mittelalter zurück. Die Hauptstadt kann neben einer Vielzahl weiterer Museen ein Museum für moderne Kunst und ein dem wohl berühmtesten armenischen Maler Martiros Saryan gewidmetes Museum vorweisen. In den letzten Jahren sind in Eriwan zudem zahlreiche private Galerien entstanden. Erwähnt werden muss auch das Matenadaran, in dem über 17.000 Manuskripte aufbewahrt werden, die zum Teil aus dem frühen Mittelalter stammen und sehr wertvoll sind.
Musik
Das Nationalinstrument Armeniens ist das Duduk, ein Doppelrohrblattinstrument aus Aprikosenholz mit unverwechselbarem Klang. Es spielt eine zentrale Rolle in der armenischen Volksmusik und ist außerhalb Armeniens insbesondere durch das Werk Dschiwan Gasparjans bekannt geworden. Neben der traditionellen armenischen Musik gibt es in Eriwan auch international erfolgreiche klassische Orchester. Hervorzuheben sind hier insbesondere das armenische philharmonische Orchester und das nationale Kammerorchester Armeniens. Der wohl bekannteste Komponist des Landes ist Aram Chatschaturjan. Begründer der modernen klassischen Musik Armeniens ist der Mönch Komitas Vardapet. Für weitere Komponisten, siehe die Liste armenischer Komponisten.
Im Mai 2006 nahm Armenien zum ersten Mal am Eurovision Song Contest in Athen teil. Mit dem Titel Without Your Love trat der landesweit bekannte Sänger André an. Nachdem er das Halbfinale überstanden hatte, konnte er im Finale einen überraschenden 8. Platz erreichen. Damit ist Armenien auch für das nächste Finale in Finnland gesetzt, wo man wieder erfolgreich einen 8. Platz erreichen konnte mit dem populären Sänger Hayko und dem Song Anytime you need. Eine sehr erfolgreiche Jazzformation ist die Armenian Navy Band um Arto Tunçboyaçiyan, die ihre Musik als Avantgarde Folk Music bezeichnet. Alle Mitglieder der Band System of a Down kommen ursprünglich aus Armenien.
Film
Seit 2004 hat sich im Sommer in Eriwan das Internationale Filmfestival „Goldene Aprikose“ etabliert, dessen Präsident der armenischstämmige Kanadier Atom Egoyan ist. Es vergibt Preise sowohl an Spielfilme als auch an Dokumentarfilme und kann teilweise prominente Teilnehmer aufweisen. Weltweit renommierte Filmregisseure sind – neben Egoyan – die Armenier Sergej Paradjanov, Henri Verneuil und der experimentelle Dokumentarfilmer Artavazd Pelechian. Auch auf dem Gebiet des Zeichentrickfilms hat Armenien eine lange Tradition, die sich in der Sowjetzeit entwickelt hat.
Auch außerhalb Armeniens bekannte Schauspieler sind Armen Dschigarchanjan und Mher „Frunsik“ Mkrtschjan. Simon Abkarian stammt nicht aus dem heutigen Armenien, sondern aus der armenischen Diaspora im Libanon. Dort existiert seit dem Völkermord eine große armenische Gemeinde, die aus Nachkommen derjenigen Flüchtlinge besteht, die die Todesmärsche aus Westarmenien in die nordsyrischen Wüsten überlebten.
Sport
Schach ist ein in Armenien weit verbreiteter Sport, u. a. war der ehemalige Schachweltmeister Tigran Petrosjan Armenier. Auch Garri Kasparow ist armenischer Abstammung. 2006 gewann Armenien die Schacholympiade in Turin (mit Lewon Aronjan, Smbat Lputjan, Karen Asrjan, Wladimir Hakobjan (international bekannter als Wladimir Akopjan), Gabriel Sarkissjan und Artasches Minassjan). Auch Fußball ist in Armenien eine populäre Sportart (siehe hierzu Fußball in Armenien), wobei sich die armenische Nationalmannschaft bislang nie für eine Fußballwelt- oder Europameisterschaftsendrunde qualifizieren konnte. Populär ist auch der Boxsport; der armenische Boxer Arthur Abraham, der inzwischen neben der armenischen auch die deutsche Staatsangehörigkeit hat, hält den IBF-Titel im Mittelgewicht. Hierzu kommt auch Susianna Kentikian die WBA Weltmeisterin in Fliegengewicht, die ebenfalls Armenierin ist. Armenische Literatur
Die armenische Literatur zählt mit der aus der armenischen Bibelübersetzung rührenden armenischen Schrift und der dort fixierten armenischen Sprache zu den ältesten lebenden Nationalliteraturen der Welt.
Geschichte Armeniens
Königreich Urartu
Die Ursprünge des heutigen Armeniens liegen geografisch zwischen den drei Seen Sewan-See, Van-See und Rezaiyehsee (Urmia-See), also im Dreiländereck Iran, Türkei und GUS. Um sich gegen die Assyrer wehren zu können, kam es unter Arama von Arzaškun um 850 v. Chr. zum Bündnis mit dem aramäischen Stadtstaat Bit Agusi.[4] 848 v. Chr. erfolgten schwere Angriffe von Salmanassar III. gegen Arzaškun, in dessen Verlauf auch die umliegenden Orte zerstört wurden und Arama in das Gebirge flüchtete. In den Jahren 844–832 v. Chr. führte Salmanassar III. weitere Feldzüge gegen Nairi. Unter Sarduri I. wurde um 832 v. Chr. die Königs- und Hauptstadt Tuschpa in einer Provinz von Nairi am Van-See gegründet.
Seine Nachfolger vergrößerten das Reich und führten es zu hoher Blüte; viele Festungen wurden neu gegründet (wohl zur Sicherung der eroberten Gebiete). Unter Menuas Herrschaft (etwa 810–785 v. Chr.) entwickelten sich Handwerk und Landwirtschaft. Magazine und Getreidespeicher wurden angelegt. Auch legte er einen 70 Kilometer langen Kanal zur Süßwasserversorgung aus dem Hosap-Tal nach Van an, da der naheliegende Vansee salzig ist. Heute wird er fälschlich nach der sagenhaften Königin Semiramis benannt.
Unter Sarduri II. (etwa 765–733 v. Chr.) erreichte Urartu seine größte Ausdehnung. Doch im Bestreben, die Vormachtstellung der Assyrer zu brechen, überspannte er seine Kräfte und wurde von ihnen vernichtend geschlagen.
Urartu konnte sich unter Rusa I. (etwa 733–714) wieder erholen. Der assyrische König Sargon II. (721–704 v. Chr.) zerstörte im Jahre 714 Musasir. Rusa I. beging Selbstmord und seine Nachfolger versuchten, das Reich erneut zu festigen. Bis 609 v. Chr. existierte Urartu weiter, ehe nach dem Ende von Assyrien bis 547 v. Chr. ein erneuter Aufschwung erfolgte und es Kyros II. vorbehalten blieb, das Land erneut tributpflichtig zu machen. Entstehung Armeniens
In persischer Zeit wurde der Name Armenien 521 v. Chr. auf einer dreisprachigen Inschrift erstmals erwähnt. Auf assyrisch wird von Uraštu (assyrisch für Urartu) gesprochen, auf persisch von Arminia (Armenien). Ging man ursprünglich davon aus, dass die Armenier die Urartäer verdrängt hatten, so ist nach heutigen Kenntnissen eine Vermischung und Assimilierung wahrscheinlicher, wofür auch die zwei Namen für die gleiche Region sprechen würden.
Als Beweis wird oft auf Reliefdarstellungen der Assyrer und Perser hingewiesen, auf denen die Kleidung der Armenier denen der Urartäer sehr ähnlich ist.
Wann und von wo die Armenier nach Urartu einwanderten, ist umstritten. Sie könnten zwischen 585 (625)–521 v. Chr. eingewandert sein; eine recht kurze Zeit, um sich mit den Ureinwohnern zu vermischen und deren Führung zu übernehmen. Wahrscheinlicher scheint, wie Herodot berichtete, dass sie im 7. Jahrhundert v. Chr. unter Arame (Armenos) aus Phrygien einwanderten. Eine Behauptung, die dadurch gestützt wird, dass sowohl das phrygische als auch das altarmenisch dem indoeuropäischen Sprachkreis angehörten. Woher sie auch kamen, fest steht, dass sie ein indoeuropäisches Volk waren und das Gebiet des ehemaligen Urartu in Besitz nahmen. Herrschaft der Perser
Ab etwa 546–331 v. Chr. wurde das Land von den Persern beherrscht, die inzwischen die Meder verdrängt und deren Reich übernommen hatten, ja es sogar zum ersten Weltreich ausbauten, das von Kleinasien bis nach Indien reichte. Die Provinz Armenien kam als Teil der Großsatrapie Medien an die Perser. Armenien selbst war in Ost- und Westarmenien aufgeteilt, wobei der Ostteil die Oberherrschaft über den Westen hatte.
„Über das Schicksal Armeniens unter der Achämenidenherrschaft macht deutlich, daß das Land in jenen zwei Jahrhunderten gleichsam im Windschatten der Geschichte lag. Das Satrapiensystem im Perserreich konservierte Armenien als geopolitische Einheit in Form einer Provinz. Bevor das Land im Hellenismus als eigenständiges Königreich selbst Geschichte machte, erfahren wir nur wenig über seine Bevölkerung, ihre Sitten und Gebräuche.“
Alexander der Große, Seleukiden Der Tempel von Garni
334 v. Chr. begann Alexander der Große mit seinem Feldzug gegen die Perser und eroberte Persien in wenigen Jahren. Sein Ziel bestand darin, die Herrschaft der Hellenen durch die Verschmelzung der Kulturen auf Dauer zu festigen (Massenhochzeit von Susa, eigene Heirat mit der Tochter des Dareios III.). Er konnte sein Werk jedoch nicht beenden, da er 323 v. Chr. in Babylon an Fieber starb. Armenien kam auch unter hellenistischen Einfluss, doch wurde es nicht erobert.
Alexanders Nachfolger (Diadochen) teilten das riesige Reich unter sich auf (Diadochenreiche). Armenien kam in den Interessenbereich der Seleukiden, die Armenien zwischenzeitlich (215–190 v. Chr.) auch beherrschten. Deren Reich umfasste Persien, Mesopotamien und Teile Kleinasiens.
Nach der Niederlage der Seleukiden gegen die Römer in der Schlacht von Magnesia im Jahr 188 v. Chr. rief sich Artaxias zum König von Armenien aus. Seine Nachkommen, die Dynastie der Artaxiden, festigten die weitere Unabhängigkeit Großarmeniens als selbstständiges Königreich. Um 95 bis 55 v. Chr. erreichte die Macht des Artaxidenstaates ihren Höhepunkt. Tigranes der Große ließ sich zum König der Könige ausrufen und kontrollierte zeitweise sogar das ehemalige seleukidische Kernland Syrien. Sein Bündnis mit Mithridates von Pontos brachte ihn jedoch in Konflikt mit den Römern, die ihn zwangen, Syrien wieder aufzugeben und ihre Oberhoheit über seinen Staat anzuerkennen.
Den in Mesopotamien und dem Iran herrschenden Parthern gelang es, Vertreter des eigenen Herrscherhauses, der Arsakiden (Arschakuni), auf den Thron zu setzen. Das Römische Reich erkannte dies 66 n. Chr. an.
Die Spätantike
Zwischen 252 und 297 gelang es den Sassaniden, Großarmenien unter ihren Einfluss zu bringen. Das Gebiet blieb aber in der gesamten Spätantike ein Streitpunkt zwischen den Sassaniden und Rom. Nachdem Diokletian die Sassaniden 297 (oder 298) besiegte, mussten diese die Oberhoheit aufgeben. Trdat III. aus dem Haus der Arsakiden bestieg den Thron und erklärte 301 n. Chr. das Christentum zur Staatsreligion. Armenien wurde so der erste christliche Staat der Welt.
387 teilten Rom und das persische Reich der Sassaniden das großarmenische Königreich untereinander auf (siehe auch Persarmenien). In dieser Zeit entwickelten die Armenier eine hochstehende christliche Kultur, Literatur und Baukunst – vor allem nach der Schaffung eines eigenen Alphabets durch Mesrop Maschtoz im Jahr 406.
Römische Provinzen
Als die Sassaniden unter Yazdegerd II. versuchten, die zoroastrische Staatsreligion in Armenien einzuführen, kam es 451 unter den Mamikonian zu einem Aufstand der Armenier. Es folgte ein langer Guerillakrieg, der schließlich im Jahr 484 mit der Anerkennung des Christentums durch die Sassaniden endete.
Im 6. Jahrhundert wurde Armenien zu einem der Hauptkampfgebiete zwischen dem Byzantinischen Reich und den Sassaniden (siehe Römisch-Persische Kriege). Von 591 bis etwa 640 gelang es den Byzantinern, einen Großteil von Großarmenien unter ihre Kontrolle zu bringen. Allerdings führte die Besetzung zu Aufständen des armenischen Adels. Die Oberhoheit über das Gebiet wechselte später mehrfach zwischen Byzanz und dem Kalifat.
Das Mittelalter Der Glockenturm des Klosters Haghpat
Bis 700 gelang es den arabischen Stämmen, eine dauerhafte Herrschaft im Land zu errichten. Aufstände des armenischen Adels schlugen sie nieder. Innerhalb des Adels kam es in dieser Zeit zu einem Wechsel der führenden Familie: Die Bagratiden (Bagratuni) übernahmen sie von den Mamikonian und konnten ihre Herrschaft auf Teile Georgiens ausdehnen.
Aschot I. gelang es in der Schwächephase des Kalifats 885/886, wieder ein armenisches Königreich zu errichten, das sowohl der Kalif als auch der byzantinische Kaiser anerkannten. Aschot II. (915–928) brachte die Freiheitskämpfe zu einem vorläufig erfolgreichen Abschluss.
In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts ging das Reich durch unglückliche Kriege und innere Zwistigkeiten zugrunde. Byzanz ließ den letzten Herrscher ermorden. In der Folge gründeten armenische Flüchtlinge 1080 in Kilikien ein unabhängiges Fürstentum von Kleinarmenien unter den Rubeniden. Diese verbündeten sich mit den Kreuzfahrern gegen Byzantiner und Türken. 1342 fiel das Königreich an das katholische Haus Lusignan von Zypern, kam aber bald darauf an die ägyptischen Mamluken und darauf zum osmanischen Reich. Osmanische Provinz Armenistan Osttürkei und Armenistan. In der englischen Karte um 1850 mit altrömischen Grenzen wurden wesentliche Namen ergänzt
Nach der Eroberung durch die Osmanen wurde das armenische (großteils christliche) Sprachgebiet als Provinz Armenistan (türkisch Ermenistan = Armenien) zusammengefasst und genoss eine gewisse Autonomie. Das am dichtesten besiedelte Kerngebiet lag im Dreieck Erzurum–Eriwan–Vansee (siehe nebenstehende Karte). Im heutigen politischen Sprachgebrauch der Türkei wird der Begriff Armenistan allerdings vermieden, um nicht an die Völkermorde von 1895 und 1915/17 zu erinnern.
Als das Osmanische Reich ab etwa 1800 zunehmend verfiel, geriet Armenien unter den Einfluss der kulturell und religiös näherstehenden Großmacht Russland. Zunächst kam der östliche Teil Armeniens als Folge des siebenten Russisch-Türkischen Krieges (1828 bis 1829) unter die Oberhoheit des Russischen Reiches. Nach dem neunten Russisch-Türkischen Krieg (1877 bis 1878) im Kontext der Balkankrise musste das Osmanische Reich im Frieden von San Stefano weitere Teile Ostarmeniens und die Provinzen Kars und Ardahan an Russland abtreten.
1885 wurde in Van, das mehrheitlich von Armeniern bewohnt wurde, die erste armenische politische Partei gegründet, die Demokratisch-Liberale Partei (unter dem damaligen Namen Armenakan).
Am 24. April 1915 veranlasste die 1908 an die Macht gekommene und – im Gegensatz zur multikulturellen Politik des Osmanischen Reiches - nationalistisch orientierte jungtürkische Bewegung um Talaat Pascha die Verhaftung und Deportation armenischer Intellektueller in Istanbul und leitete damit einen Völkermord an den Armeniern ein.
Von 1918 bis 1920 existierte die unabhängige Demokratische Republik Armenien, die sich der Entente gegen die Mittelmächte anschloss. Der Vertrag von Sèvres vom 10. August 1920, einer der Pariser Vorortverträge, die den Ersten Weltkrieg beendeten, sah die Unabhängigkeit Armeniens vor. Der Vertrag trat nie in Kraft, da ihn nicht alle Vertragsstaaten ratifizierten. Infolge des Griechisch-Türkischen Krieges (1919–1922) wurde der Vertrag von Sèvres im Vertrag von Lausanne zugunsten der Türkei revidiert. Zwischen den Siegern des Ersten Weltkriegs und General Kemal Atatürk wurde am 24. Juli 1923 der sogenannte Orientfrieden besiegelt. Er sicherte der modernen Türkei die internationale Anerkennung.
1920 teilten die Türkei und Sowjetrussland Armenien unter sich auf und fixierten dies im Vertrag von Kars vom 23. Oktober 1921. Nach der Gründung der UdSSR im Jahr 1922 wurde Ostarmenien ein Teil der Transkaukasischen Sozialistischen Föderalen Sowjetrepublik. Sowjetische Herrschaft
1936 wurde Ostarmenien eine formal eigenständige Unionsrepublik der Sowjetunion, die Armenische Sozialistische Sowjetrepublik. Sie entwickelte sich zu einem wichtigen Standort der chemischen Industrie, der Schuhindustrie und der Informatik. Viele elektronische Bauteile für die sowjetische Raumfahrt und auch Roboter wurden hier entwickelt. In der Sowjetunion war die Armenische SSR unter anderem wegen des warmen Klimas ein beliebtes Reiseziel.
Die Armenische SSR war seit dem Ende der 1980er-Jahre neben der Estnischen SSR, der Lettischen SSR, der Litauischen SSR und der Georgischen SSR ein Zentrum der separatistischen Bewegungen innerhalb der UdSSR. Zu dieser Zeit flammte auch der Konflikt um Bergkarabach, ein mehrheitlich armenisch besiedeltes Gebiet innerhalb der Aserbaidschanischen SSR, wieder auf. Eriwan mit dem Ararat, Türkei im Hintergrund
Am 7. Dezember 1988 erschütterte ein schweres Erdbeben die Region Lori im Norden der Armenischen SSR, das den Wert 6,8 auf der Richterskala erreichte. Viele Gebäude, insbesondere Schulen und Krankenhäuser, hielten dem Erdbeben nicht stand, 25.000 Menschen starben. Hinzu kamen die winterlichen Temperaturen und die äußerst mangelhafte Vorbereitung der Behörden. Die Regierung ließ ausländische Helfer ins Land. Dies war der erste Fall, in dem die Sowjetunion ausländische Hilfe in größerem Ausmaß annahm. Die damals entstandenen schweren Schäden an der Infrastruktur hemmen die wirtschaftliche Entwicklung dieser Region bis in die heutige Zeit (2006).
Im August 1991 benannte sich die Armenische SSR in Anlehnung an die erste Republik in Republik Armenien um. Nach der Unabhängigkeitserklärung am 21. September 1991 entstand das heutige Armenien. Der westliche, weitaus größte Teil des historischen Siedlungsgebietes der Armenier blieb unter türkischer Herrschaft.